„O‘ zapft is!“ – ein ökumenisches Oktoberfest!

Trachtenzug 2009
Trachtenzug 2009

Geht also hinaus auf die Straßen
und ladet alle, die ihr trefft,
zur Hochzeit ein.
(Mt 22,9)

„O’zapft is!“ Wenn dieser Ruf des Münchner Oberbürgermeisters alljährlich Ende September vom Schottenhammel-Bierzelt aus um die Welt gellt, dann „pilgern“ die Scharen in Massen zu den Maßen auf d’ Wies’n. Dass es Versorgungsengpässe wie bei der „Hochzeit in Kana“ (Joh 2,1-11) geben wird, ist so gut wie ausgeschlossen!
Ja, ich geb’s zu: Ich war auch (wieder) dort – nicht (nur) wegen dem erfrischenden Hopfenblütentee, …
sondern um geballtes Kulturgut aufzusaugen, quasi die bayrischen Speicher aufzufüllen, bevor’s wieder ins ehem. habsburgerische Exil zurück geht.
(Einige Impressionen hier)

Dieses weltgrößte Volksfest begründet sich ja in der Hochzeit des bayerischen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I. von Bayern aus dem Hause Wittelsbach mit seiner Gemahlin Therese von Sachsen-Hildburghausen am 12. Oktober 1810.

Und typisch bayrisch, so wie es dem heutigen Klischee entspricht, war diese Ehe nun allemal nicht!
Zeit ihres Lebens blieb die evangelisch aufgewachsene Königin von Bayern nämlich ihrem Glauben treu. Dem  Ehemann, der den Ultramontanismus unterstützte, wäre es ein dringendes Anliegen gewesen, dass seine Gattin dem Protestantismus den Rücken kehren sollte.
Erst nachdem die Bestattung seiner ebenfalls evangelischen Stiefmutter Karoline von Baden, immerhin seit 1. Januar 1806 die erste Königin des neuen Königreiches Bayern (!), beleidigend würdelos stattfinden musste – der gesamte katholische Klerus auf Anordnung des Münchner Erzbischofs von Gebsattel in ziviler Kleidung erscheinen, in der Kirche durfte keine Kerze brennen und der Sarg wurde ohne die üblichen Totengesänge, ja sogar ohne Gebet in der Gruft der Münchner Theatinerkirche „abgestellt“ –  , wurde sein Druck geringer.

Therese hatte zu ihrer Schwiegermutter Zeit ihres Lebens ein sehr gutes Verhältnis, beide waren am Bau der ersten evangelisch-lutherischen Pfarrkirche Münchens maßgeblich beteiligt.
Papst Pius VII. verweigerte Therese nach ihrem Tod vielleicht auch deshalb die Bestattung im Kloster Scheyern, der Leichnam trat nach dem Choleratod am 26. Oktober 1854 eine tragische Reise an:
Therese wurde zunächst in der Fürstengruft der Theatinerkirche an der Seite ihrer Schwiegermutter, aber in Abwesenheit ihres Gemahlen beigesetzt. („Bis dass der Tod euch scheidet…“)
Undenkbar war es auch, das Herz der verstorbenen protestantischen Königin in die Gnadenkapelle von Altötting zu verbringen.
Drei Jahre später überführte man den Zinksarg mit Thereses sterblichen Überresten in die Grablege der Benediktinerabtei St. Bonifaz am Münchner Königsplatz, 2002 dann die endliche Rehabilitierung, als sie dort in einen Marmorsarkophag neben ihren Mann umgebettet wurde. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und Altabt Odilo Lechner segneten damals das Grab.

„Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
|: Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
Seines Himmels, Weiß und Blau! :|

Gott mit dir, dem Bayernvolke,
dass wir, uns’rer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden
bauen uns’res Glückes Herd!
|: Dass mit Deutschlands Bruderstämmen
einig uns ein jeder schau
und den alten Ruhm bewähre
unser Banner, Weiß und Blau! :|“ 

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