Sursum Corda! – schrankenlose Schöpferkraft zweier Brüder

Zwischen dem von Engelgruppen getragenen Sternenreif und der Brüstung schaut an der Südseite der Architekt und Maler herab: Cosmas Damian Asam in Künstlerbekleidung seiner Zeit. (Kloster Weltenburg)
Cosmas Damian Asam

Wenn man ein neues Haus baut,
muss sich der Architekt um das ganze Gebäude kümmern;
Dekorateur und Maler dagegen müssen nur das prüfen,
was zur Ausschmückung nötig ist.
(2 Mak 2,29)

Die Kirche gedenkt heute der Märtyrer Kosmas und Damianus. Die beiden Brüder wirkten im späten 2. Jahrhundert als Ärzte in Syrien sowie der heutigen Türkei und wurden von der jungen Kirche fast im ganzen römischen Reich verehrt.

Ich komme natürlich bei diesen Namen und nach soviel barockem Heimatland in den letzten Wochen nicht umhin, an einen von zwei anderen Brüdern zu erinnern: Cosmas Damian Asam!

Der große bayerische Malerarchitekt wurde am 27 (?). September 1686 an der Wirkungsstätte des Vaters in Laingruben nahe Benediktbeuern in Oberbayern geboren. Er starb am 10. Mai 1739 in München, vier Tage vorher hatte er testamentarisch verfügt, dort an der Frauenkirche neben seiner ersten Frau begraben zu werden.

Ein erstes ‚Trinkhgelt’ mit 30 Kreuzer hat er sich als 16jähriger für Mithilfe bei Faßarbeiten des Vaters verdient. Abt Quirin IV. Millon von Kloster Tegernsee erkannte die Begabung und schickte ihn nach dem Tod des Vaters zur Ausbildung nach Rom. Eine Investition, die sich für die Kirche mannigfaltig auszahlen wird!
Dort studierte er unter Pierleone Ghezzi, wo er 1713 den ersten Preis der Accademia di San Luca gewann – bei der Preisverleihung am 25. Mai 1713 auf dem Kapitol ist Papst Clemens XI. anwesend – , und bildete sich zu einem der gewandtesten und charakteristischsten Nachahmer der ausgehenden italienischen Barockmalerei.

Ebenso verstand er sich auch auf die Ölmalerei. Laut Überlieferung bringt er aus Rom ein Werk aus dem Jahre 1713 für die Schutzengelkirche in Straubing mit.
Seinen Hauptruhm aber verdankte er dem Fresco. Voll von Eindrücken und Schaffensdrang war er 1714 nach Hause gekommen. Blühendes Colorit, kecker Pinsel und gewandte Gruppierung bezeichnen seine Kunstweise, der freilich die Tiefe und Solidität fehlt. Wie hätte es bei seiner fabrikartigen Schnellmalerei auch anders sein können? Aber mit seiner und des Bruders Egid Quirin schier schrankenloser Schöpferkraft haben die beiden Brüder uns Bayern den Himmel schon ein wenig auf Erden gebracht.

Der Entwurf zur neuen Klosterkirche in Weltenburg stammt von Cosmas Damian Asam, es war dies sein erster Auftrag als Architekt.
Der Grundstein wurde nach Abriss des alten Gotteshauses am 29. Juni 1716 gelegt, am 9. Oktober 1718 war es im Rohbau fertig und wurde vom Freisinger Fürstbischof Johann Ecker geweiht.
Der Ausbau der Fassade und die Fertigstellung der Inneneinrichtung zogen sich bis 1735 hin.
„Cosmas Damian Asam wurden schon 1734 260 Gulden im Voraus ausbezahlt und 1736 nochmals 100 Gulden.“  Die Aufwendungen konnte Abt Maurus Bächl wesentlich durch Regielohn für die Weißbierherstellung decken, denn dafür hatte Bayern das Staatsmonopol. Weltenburg liegt am Rande des großen Hopfenanbaugebietes, der Hallertau. Die Abtei war trotzdem nie reich und kämpfte mehrmals ums Überleben.

Deckenfresko Klosterkirche Weltenburg

Deckenfresko Klosterkirche Weltenburg

Das Deckenfresko des Hauptraumes stellt in gemalter Architektur mit Säulen, Gesims und Täfelung die verklärte Kirche dar. Für Cosmas Damian Asam war auch in diesem Raum eine tiefe theologische Konzeption bestimmend. Er wollte den Kontrast herausgestellt wissen zwischen Licht und Dunkel als den Symbolen für menschliches Suchen, Tasten und Fragen nach Sinn und Wesen seiner selbst und der liebenden Antwort Gottes in seiner Offenbarung.
Die Wucht der Materie, wie sie sich in den Säulen und Lisenen der unteren Partien zeigt und die nach oben hin mehr und mehr abnimmt und schließlich gänzlich sich auflöst, dies darf wohl sinnbildhaft als Andeutung der Verklärung alles geschaffenen Seins gewertet werden. Der ganze Raum – eine nicht zu überhörende Aufforderung: „Sursum Corda“!

Vor allem die Benediktinerorden schätzten also seine Genialität, aber auch die übrigen Würdenträger förderten ihn.
Die Konkathedrale des Metropolitan-Erzbistums München und Freising auf dem Freisinger Domberg, St. Maria und St. Korbinian, erhielt ihren reichhaltigen Rokokoschmuck in nur eineinhalb Jahren um 1724 ebenfalls durch Cosmas Damian und seinen Bruder, dem Stukator Egid Quirin Asam. Auf dem sogenannten „Spaltzettel“ vereinbarten Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und die Asambrüder einen Lohn von 7000 Gulden für die Neugestaltung des Domes.  Beide wurden Kammerdiener des Fürstbischofs von Freising.

Papst Benedikt XVI. durfte sich anlässlich seines Besuches in Bayern hier, wo er einstmals als Josef Ratzinger Theologie studierte (1946-1951) und 1958 als 31jähriger seine erste Professur für Dogmatik antrat, am 14. September 2006 vor Klerikern des Erzbistums München und Freising vielleicht ein letztes Mal von seiner Bayerischen Heimat verabschieden. Dankbar war er, dass er „nun am Ende in den Freisinger Dom zurück kehren durfte und […] ihn in seiner leuchtenden neuen Gestalt sehen“  durfte.

(Auszug aus einer Seminararbeit)
Quellen:
BUSHART, Bruno / RUPPRECHT, Bernhard (Hg.): Cosmas Damian Asam. 1686 – 1739. Leben und Werk. [Ausstellung zum 300. Geburtstag, Kloster Aldersbach, Niederbayern, 15. August – 19. Oktober 1986.] München: Prestel, 1986.
HANFSTAENGEL, Erika (Hg.): Cosmas Damian Asam. München: Neuer Filser 1939.
BAUER, Hermann / BAUER Anna / HÄUSLER, Hubert (Hg.): Klöster in Bayern: eine Kunst- und Kulturgeschichte der Klöster in Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz. München: C. H. Beck 21985.
WIENERT, MARLIS: Die Klosterkirche von Weltenburg. Versuch einer Interpretation und Einordnung. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. 1969.
Hanfstaengel, Erika: Art.: „Asam, Cosmas Damian“ in: HISTORISCHE KOMMISSION BEI DER BAYERISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN (Hg.): Neue Deutsche Biographie, Berlin 1953 ff., Bd. 1 (1953).
SEKRETARIAT DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 174: Apostolische Reise Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. nach München, Altötting und Regensburg 9. bis 14. September 2006 – Predigten, Ansprachen und Grußworte. Bonn: 2006.
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