Von Liebe, Schätzen und Kamelen

Feierliche Profess
Feierliche Profess

Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er:
Eines fehlt dir noch:
Geh, verkaufe, was du hast,
gib das Geld den Armen,
und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben;
dann komm und folge mir nach!

(Mk 10, 21)

Eine Profess ist im katholischen Ordensrecht das feierliche, öffentliche und kirchenamtliche Versprechen von Armut, eheloser Keuschheit und des Gehorsams (Evangelische Räte). Es passt auch gut zum morgigen Evangelium des 28. Sonntags im Jahrekreis (Mk 10, 17-30)!

Der Wiener Augustinerkonvent darf sich heute über eine solche Profess freuen: Frater Rupert Gerig OSA gibt dieses feierliche („ewige“) Versprechen ab, er „weiht“ sein ganzes Leben dem Dienst an Gott und den Menschen und wird in die klösterliche Gemeinschaft eingegliedert.
Der Regionalvikar der Augustiner, Pater Prior Dominic Sadrawetz schreibt dazu sehr lesenswert:

Jeder Mensch wünscht sich im Innersten, dass er glücklich wird, dass er lebt und nicht gelebt wird. Damit Leben aber gelingen kann, sind Entscheidungen zu treffen, Tag für Tag, ob ich will oder nicht, größere und kleinere, wichtige und weniger wichtige. Früher oder später ist jeder Mensch vor eine Grundentscheidung gestellt, zu ihr herausgefordert: Entweder er will Gott nicht als den Herrn seines Lebens und der Welt anerkennen, oder er entscheidet sich für Gott um Gottes selbst und um seiner Liebe willen.
„,Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm‘ (1 Joh 4, 16). In diesen Worten aus dem Ersten Johannesbrief ist die Mitte des christlichen Glaubens, das christliche Gottesbild und auch das daraus folgende Bild des Menschen und seines Weges in einzigartiger Klarheit ausgesprochen. Außerdem gibt uns Johannes in demselben Vers auch sozusagen eine Formel der christlichen Existenz: ‚Wir haben die Liebe erkannt, die Gott zu uns hat, und ihr geglaubt‘ (vgl. 4, 16). Wir haben der Liebe geglaubt: So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdrücken“, schreibt Papst Benedikt XVI. in der Einführung zu seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ angesichts einer Welt, „in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Haß und Gewalt verbunden wird“. Mit dem Hinweis auf die unüberbietbare Liebestat Gottes, der die Welt so sehr geliebt hat, „dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt … das ewige Leben hat“ (Joh 3,16), hält der Papst fest, dass die Liebe „nun dadurch, dass Gott uns zuerst geliebt hat (vgl. 1 Joh 4, 10), nicht mehr nur ein ,Gebot‘ [ist], sondern Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegengeht.“
Ein Mensch, der seine Grundentscheidung für Gott und seine Liebe getroffen hat, wird konsequenterweise für sich auch eine ihm entsprechende Lebensentscheidung fällen. Er wird sich für einen Lebensstand entscheiden – sei es für den Stand der Ehe oder den der Ehelosikgeit – und er wird versuchen, den Willen Gottes zu ergründen und zu tun; er wird danach trachten, dass die vielen Einzelentscheidungen seines Lebens durchdrungen sind von seiner Grund- und Lebensentscheidung; er wird Jesus Christus nachfolgen, aus dessen geöffnetem Herzen die Liebe Gottes selber entströmt (vgl. Joh 19, 34).
Wenn Menschen auf der Basis ihrer Grundentscheidung für Gott und seine Liebe nach einer angemessenen Zeit der Prüfung zu einer Lebensentscheidung gelangen und einen Lebensstand für sich wählen, ist dies ein Grund zum Feiern – ob sie sich nun für die Ehe entscheiden oder für ein Leben in Ehelosigkeit in einer Ordensgemeinschaft.

Mir fällt der Blick voraus auf das, was Jesus uns morgen im Evangelium dazu sagt: Der Weg des Glaubens ist die Nachfolge Jesu, und dieser Weg steht allen Christen offen!
Wer nachfolgen will, muss bereit sein, von Jesus zu lernen (Gehorsam – Mk 10,17). Er muss immer schon mit Widerstand und Ablehnung in einer Umwelt, die den Gläubigen mit Misstrauen und Feindschaft begegnet, rechnen. Der Weg der Nachfolge ist damals wie heute immer auch ein Weg der Kreuzesnachfolge.
Reiche und Arme gehören zur Kirche. Der Evangelist weist deutlich auf die Gefahren des Reichtums hin. Wer ist im Sinne Jesu ein Reicher? Der an seinem Besitz hängt! Wie groß dieser Besitz auch immer sein mag, ist unerheblich. Es kann durchaus reiche Menschen geben, die an ihren Gütern nicht hängen, und es kann ebenso Arme geben, die auf das Wenige, das sie haben, nicht verzichten können. „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mk 10, 25 – Armut)
Schließlich können auch menschliche Bindungen an „Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder“ (Mk 10,29) zum Hindernis für den Weg der Nachfolge werden (ehelose Keuschheit).
Um Jesu willen und um des Evangeliums willen ist im diesseits – wenn auch unter Verfolgungen – auf Irdisches zu verzichten, um jenseits das Ewige Leben zu erhalten (Mk 10,30). Wer so ein dummes Kamel ist und nicht loslassen kann, kann praktisch nicht ins Reich Gottes gelangen. Für uns heißt das: Wir dürfen, ja müssen uns der souveränen Macht Gottes überlassen.

Übrigens: Ich bin – quasi als Freund des Hauses ;-) – zur Mitfeier der Professmesse und der anschließenden Agape eingeladen. Und besonders schön: Mozart gibt’s natürlich auch wieder – die Missa in C KV 258 oder „Piccolomini-Messe„, scheinbar eine scherzhafte Verballhornung der Kürze des Werkes! Davon loszulassen, würde mir schwer fallen ;-)

Bilder von der beeindruckenden Feier

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