Das Kreuz als Verstoß gegen Menschrechte

Gottes Güte

Gottes Güte

Wir dagegen verkündigen Christus
als den Gekreuzigten:
für Juden ein empörendes Ärgernis,
für Heiden eine Torheit,
für die Berufenen aber,
Juden wie Griechen,
Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

(1 Kor 1,23-24)

Das Kreuz hat „in einer Hinsicht […] natürlich einen Schrecken an sich, den wir nicht wegnehmen sollten. Es ist ja die grausamste Hinrichtungsart, die die Antike kannte und die auf Römer nicht angewendet werden durfte, weil man damit gleichsam die römische Ehre befleckt hätte.

Zu sehen, dass der reinste der Menschen, der mehr als ein Mensch war, auf eine so grausame Weise hingerichtet wird, kann uns zunächst über uns erschrecken lassen.
Aber wir brauchen auch das Erschrecken über uns selber und aus unserer Selbstbequemlichkeit heraus. Da, denke ich, hat Luther schon ein richtiges Wort gesagt, dass der Mensch zunächst einmal auch erschrocken sein muss über sich selber, damit er dann auf den richtigen Weg kommt.

Es bleibt aber eben nicht bei dem Schrecken, es ist nicht bloß ein Schrecken, weil von dem Kreuz herunter uns nicht ein gescheiterter, nicht ein verzweifelter, nicht eines der schrecklichen Opfer der Menschheit anschaut, weil uns dieser Gekreuzigte etwas anderes sagt als Spartakus und seine gescheiterten Anhänger, weil uns von diesem Kreuz ja eine Güte anschaut, die im Schrecken das Leben neu beginnen lässt.
Es schaut uns die Güte Gottes selber an, der sich in unsere Hände gibt, sich uns ausliefert und sozusagen den ganzen Schrecken der Geschichte mit uns trägt.
Tiefer gesehen, lässt uns dann dieses Zeichen, das uns die Gefährlichkeit des Wesens Mensch und seine ganze Abscheulichkeiten ansehen lässt, zugleich den stärkeren, in seiner Schwachheit stärkeren Gott und das Geliebtsein von Gott anschauen.
Es ist insofern ein Zeichen der Vergebung, das auch in den Abgründen der Geschichte noch Hoffnung setzt.“*

Wollen wir uns wirklich zwingen lassen, diesem „Erschrecken über uns selber“ auszuweichen?
Ist es wirklich eine Zumutung für unsere Kinder, wenn sie von der „Güte Gottes“ angeschaut werden?
Können wir so der „Gefährlichkeit des Wesens Mensch“ ausweichen, in dem wir das Kreuz verbannen?

* Quelle: Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.: „Salz der Erde – Christentum und katholische Kirche im 21. Jahrhundert. Ein Gespräch mit Peter Seewald.“
ISBN 3-421-05046-5

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