Requiem aeternam

Augustinerkirche

Augustinerkirche

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe,
und das ewige Licht leuchte ihnen.

(Eingangsvers der Totenliturgie)

Für Seine am 15. Mai 2010 im Herrn entschlafene Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Rudolph von Österreich, Sohn des letzten österreichischen Kaiserpaares, wurde am gestrigen Montag, dem 14. Juni um 18 Uhr in der Wiener Augustinerkirche eine Seelenmesse gefeiert. Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, leitete das Pontifikalrequiem. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Orchester von St. Augustin unter der Leitung von Kapellmeister Robert Rieder mit dem Mozart-Requiem (KV 626).

Neben Angehörigen des europäischen Adels und dem Apostolischen Nuntius in Österreich sowie Vertretern aus Politik und Gesellschaft nahmen auch Traditionsverbände, Landsmannschaften sowie Abordnungen des Malteserordens, des Sternkreuzordens und des Ordens vom Goldenen Vlies an dem Requiem teil.
Ganz unerwartet kam ich zu der großen Ehre, im liturgischen Dienst zu assistieren.
Zum großen Auszug aus der ehem. k&k Hofkirche erklang die Kaiserhymne von Joseph Haydn (= Melodie der Deutschen Nationalhymne; Fussballfans aufgepasst!) – es war auch mein letzter feierlicher Auszug aus St. Augustin.

Erzherzog Rudolph von Österreich

Erzherzog Rudolph von Österreich

Rudolph wurde am 5. September 1919 als sechstes Kind des Kaisers Karl I. und der Dienerin Gottes Kaiserin Zita am Genfer See geboren. Er war somit das erste Kind des letzten österreichischen Kaiserpaares im Exil. Nach dem Tod des – inzwischen seliggesprochenen – Vaters im Exil auf Madeira 1922 lebte die Familie in Belgien. Nach dem deutschen Überfall im Jahr 1940 floh Rudolph von Habsburg nach Kanada. Während des Zweiten Weltkriegs soll er von der US-Armee eingezogen und unter einem Decknamen nach Europa entsandt worden sein, wo er Einsätze im österreichischen Widerstand durchführte.
1953 heiratete er die russische Gräfin Xenia Tschernyschew-Besobrasow, die 15 Jahre später bei einem Unfall ums Leben kam. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. 1971 folgte die Ehe mit der deutschen Fürstin Anna Gabriele von Wrede. Das Ehepaar bekam eine Tochter. Habsburg-Lothringen unterstützte soziale Projekte in Gebieten der ehemaligen Österreich-Ungarischen Monarchie.

Esztergom

Esztergom

Besondere Verdienste erwarb er sich auch um die Kardinal-Mindszenty-Stiftung und die Überführung der sterblichen Hülle Mindszentys von Mariazell nach Esztergom 1991 in Zusammenarbeit mit der Österreichischen und der Ungarischen Bischofskonferenz. Kardinal Jozsef Mindszenty war von 1948 bis 1956 wegen seiner Opposition gegenüber den Kommunisten inhaftiert gewesen. Während der Volkserhebung im Herbst 1956 wurde er befreit. Nach der Niederschlagung des Aufstands durch sowjetische Truppen fand der Kardinal Zuflucht in der US-Gesandtschaft in Budapest, wo er 15 Jahre verbrachte. Erst im Jahr 1971 verließ er auf Wunsch des Papstes seine Heimat. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in Wien, wo er 1975 starb; er war bis 1991 in der Basilika von Mariazell beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte in Esztergom hatte ich vor wenigen Wochen am 2. Mai besucht.

Rudolph von Österreich, jüngster Bruder von Otto von Habsburg, starb in Brüssel im Alter von 90 Jahren. Die Beisetzung selbst fand Anfang Juni in der Familiengruft in der Klosterkirche Muri im Kanton Aargau statt, wo die Habsburger-Dynastie ihre Stammburg hat.
54 Herzen der Vorfahren fanden die letzte Ruhe in der Herzgruft in der Lorettokapelle der Wiener Augustinerkirche.
Die Gebeine von 146 Personen, darunter 12 Kaiser und 17 Kaiserinnen, zuletzt 1989 Kaiserin Zita wurden unweit bei den Kapuzinern beigesetzt.
Die Kaisergruft in Wien ist die größte und bedeutendste ihrer Art. Sie dokumentiert damit mehr als drei Jahrhunderte österreichische Geschichte. Sie setzt Vergangenheit und Vergänglichkeit ein kunsthistorisches Denkmal.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine sehr eindrucksvolle und bedenkenswerte „Einlasszeremonie“ in die Gruft. Vermutlich leitet sich dies davon ab, dass die Sargträger sich mittels Klopfzeichen verständigten. Der Trauerzug hielt vor der verschlossenen Tür der Gruft und ein Herold klopfte an die Tür. Darauf fragte einer der Kapuziner-Brüder von drinnen:  „Wer begehrt Einlass?“ Der Herold antwortete mit allen zu Lebzeiten der/des Verstorbenen getragenen Titeln. Von drinnen erfolgte allerdings die Antwort „Wir kennen sie/ihn nicht!“. Daraufhin klopfte der Herold noch einmal. Wieder wurde gefragt „Wer begehrt Einlass?“ Diesmal antwortete der Herold mit der Kurzfassung der Titel. Doch die Antwort war „Wir kennen sie/ihn nicht!“. Der Herold klopfte ein drittes Mal, wieder wurde dieselbe Frage gestellt. Nun antwortete der Herold: „X.Y., ein armer Sünder.“, woraufhin das Tor geöffnet wurde.

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Ein Gedanke zu „Requiem aeternam

  1. Alfred

    Also mit dem Vers „Gib ihm die ewige Ruhe“ kann ich nichts anfangen. Das widerspricht doch dem Glauben an die Auferstehung. Kannst du mir das mal erklären, wie das gemeint ist?

    Antwort

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