sich annehmen – sich verstehen

Benedikt XVI.

Benedikt XVI.

Was immer wahrhaft, edel, recht,
was lauter, liebenswert, ansprechend ist,
was Tugend heißt und lobenswert ist,
darauf seid bedacht!
(Phil 4,8)

Papst Benedikt XVI. hat allen (Priester-)Seminaristen am gestrigen Festtag des Evangelisten Lukas (19.10.2010) einen Brief geschrieben. In der Einleitung geht er sehr persönlich auf seine eigene deutsche Geschichte ein. Schon das machte Neugierig auf’s Weiterlesen …

Mehrmals verwendet er die Formulierung „auf den Weg“, „Unterwegssein“, „auf dem Weg bleiben“ … . Freut mich natürlich sehr, wenn ich an den Titel meines Blogs denke :-) !
Und dann fängt der Heilige Vater, wie ein lieber Großvater, einfach mal so zu plaudern an: Erinnerungen an seine eigene Seminarzeit! „Wenn der Herr sagt: ‚Betet allezeit‘, dann fordert er uns natürlich nicht dazu auf, dauernd Gebetsworte zu sprechen, sondern dazu, den inneren Kontakt mit Gott nie zu verliefen.“ Er selbst, der heutige Papst (!) musste – wie der Seminarist auch heute noch – sensibel werden für seine Fehler und lernen, an sich zu arbeiten; „sensibel aber auch für all das Schöne und Gute, das wir wie selbstverständlich Tag um Tag empfangen, und so wächst die Dankbarkeit.“
Dann schwärmt er begeistert von seinem allmählichem Verstehen, wie die Liturgie der Kirche in ihrer konkreten Gestalt gewachsen ist, wie viel Erfahrung des Glaubens im Aufbau der Messliturgie liegt, wie viele Generationen sie betend geformt haben. „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft berühren sich“ – also „nix is“ mit ausschließlicher Vergangenheit!
Sehr sympathisch auch sein Andenken, dass „Materien des Studiums weit von der Praxis des christlichen Lebens und des pastoralen Dienstes entfernt“ erscheinen. Ich nehm’s ihm und seiner Erfahrung ab: „Es geht nicht bloß darum, das augenscheinlich Nützliche zu erlernen, sondern darum, das innere Gefüge des Glaubens so in seiner Ganzheit zu kennen und zu verstehen, dass es Antwort auf die Fragen der Menschen wird“.
Wenn er dann schließlich zur Bewahrung der Volksfrömmigkeit aufruft, dann fällt es mir vielleicht ein wenig leichter, mir vorzustellen, welche Bilder er da aus der Erinnerung seiner jungen Jahre holt: Maiandachten, Fronleichnamsprozessionen im geschmückten Oberbayern, vielleicht das Ratschen am Karfreitag. Alles Bräuche, die mir selbst ja nicht fremd sind und die ich in meinem fünfjährigen  Exil stark vermisst habe! So sehr ich es ja schätzte, auch andere (österreichische) Sitten wie z.B. 3 violette + 1 rosa Adventkranzkerzen oder „Flurprozessionen“ auf geteerten Parkplätzen in einem Überdiözesanen Priesterseminar kennengelernt zu haben – aber mir fehlte da zwischendurch einfach etwas. Den lieben Mitbrüdern aus Vietnam oder Nigeria wird’s wohl ähnlich ergangen sein.
Priester, die andere auf dem Weg durchs Leben und bis zur Pforte des Todes begleiten sollen, so der Papst weiter, müssen menschlich „intakt“ sein, Herz und Verstand, Vernunft und Gefühl, Leib und Seele müssen ins rechte Gleichgewicht gebracht sein. Dazu gehört auch die Integration der vom Schöpfer gegebenen Sexualität in die Person des Priesters, der ja immer Mensch bleibt.
Gegen Ende seines Briefes an alle Seminaristen fühl ich mich dann nochmal sehr persönlich angesprochen: „Der Entscheid für das Priestertum bildet sich heute oft in den Erfahrungen eines schon erlernten weltlichen Berufes. … Er reift auch in ganz persönlichen Begegnungen mit der Größe und Not des Menschseins.“ Jaja…. :-)

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