Kirche, die sich öffnet zum Himmel und Geborgenheit gibt auf Erden

Altarinsel

Altarinsel

Jesus trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen:
Friede sei mit Euch!
(Joh 20,19)

Des Öfteren habe ich ja schon von der Architektur des Barock geschwärmt. Heute feierte ich die Sonntagsmesse in einer besonderen „Kirche, die sich öffnet zum Himmel und Geborgenheit gibt auf Erden“*: St. Franziskus – Burgweinting – dort werde ich in vier Wochen zum Diakon geweiht. Was hat dieser moderne Kirchenbau des 21. Jahrhunderts mit dem Sakralbau des Barock gemeinsam?

Viele Architekten damaliger Zeit haben sich weit vorgewagt – und wurden wahrscheinlich auch ordentlich kritisiert –  als sie ihren Kirchen, abweichend von der geraden Linie der Gotik, elliptische oder mehrfach geschwungene Grundrisse gaben. Die barocke Klosterkirche der Benediktinerabtei Weltenburg sei hier als Beispiel angeführt. Sie besitzt eine innere Dynamik, die hinführt auf den Punkt, an dem Gott und der Mensch zusammentreffen, auf den Ort der Eucharistie. Nichts anderes erlebte ich in St. Franziskus:

Altar

Altar

Christus als Altar ist nicht mehr vorne an der Wand, sondern jetzt Herr, und damit inmitten der betenden und feiernden Gemeinde, inmitten des Raumes. Die versammelte Gemeinde steht nicht in Reih und Glied, sondern wendet sich durch die halbrund um die Altarinsel angeordneten Kirchenbänke leicht einander zu. Auf diese Weise kommen Nähe und Geborgenheit zu Gott und seinen Geschöpfen zum Ausdruck.

Innenraum

Innenraum

Gewaltige Wandflächen, die keine Gestaltung erfahren haben, lassen doch das Material, aus dem sie geformt sind, noch erkennent. Der Verzicht auf Schmuck verweist den Menschen darauf, dass das Geheimnis Gottes ohnehin unbegreiflich ist und sich jeder Darstellung entzieht.
Die lichtdurchlässige Deckenmembrane erinnert an ein Zeltdach und vermittelt darunter so etwas wie Geborgenheit auf Erden.
Schräge Wände schrauben schließlich den Raum in den Himmel, dem Ziel allen menschlichen Strebens.

Ein stilles Gedenken möchte ich in diesem Zusammenhang meinem Lehrer für Kirchliche Kunst, H. H.  Prälat Msgr. Hofrat Prof. Dr. Alfred Sammer widmen, der am Allerseelentag dieses menschliche Streben vollendet hat. Möge er die vermittelte Schönheit des Himmels nun selbst dort genießen!

* Titel des Entwurfs der Architekten Königs

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Ein Gedanke zu „Kirche, die sich öffnet zum Himmel und Geborgenheit gibt auf Erden

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