Allerseelen – Erinnerungen

San George

San George

Wir erhalten den Lohn
für unsere Taten.
(Lk 23,41)

Warum beten wir für die Verstorbenen? Brauchen sie das? Hilft ihnen das? Warum feiern wir beim Tod noch ein Requiem? Warum diese innigen, ernsten, berührenden Worte des „Dies irae, dies illa„, jenes mittelalterlichen Hymnus, der vom 14. Jahrhundert bis zur Liturgiereform nach dem 2. Vatikanischen Konzil bis 1970 fester Bestandteil der Totenmesse war und den so berühmte Künstler wie Mozart in seinem letzten Werk, eben dem Requiem vertont hat?

„Dies irae, dies illa“ – „Tag der Rache, Tag der Sünden“

Warum diese Sorge um das, was nach dem Tod geschieht? Müssen wir uns darum sorgen? Müssen wir zusammenkommen, um der Toten zu gedenken, nicht nur, um uns einfach an sie zu erinnern, wie man heute so gerne sagt: dass sie weiterleben „in unserer Erinnerung“. Die Armen! Wie kurz ist unsere Erinnerung! Wie schnell ist sie vorbei! Wenn sie nur in unserer Erinnerung leben, was ist dann mit den Vielen, deren Grabsteine hier sind und an die sich niemand mehr erinnert?

Warum also beten wir für die Verstorbenen?

Weil wir glauben, dass es mit dem Tod nicht zu Ende ist. Weil wir glauben, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Warum sollten wir für Tote beten, wenn sozusagen „alles abgehakt“ ist, aus ist mit dem Tod? Warum wussten alle Religionen darum, dass es darum geht, auch für die Toten Sorge zu tragen, ihnen beizustehen, sie zu begleiten auf einem Weg, von dem uns der Glaube sagt, dass er noch eine Läuterung sein kann, sein muss, hoffentlich sein kann? Wenn wir für die Verstorbenen beten, dann haben wir Hoffnung für sie, dann haben wir die Hoffnung, dass das Unfertige in ihrem Leben nicht verloren ist, dass es Gott ergänzen kann, dass Gott das Zerbrochene heilt, dass das Unversöhnte von Ihm heil gemacht werden kann. Darum gibt es Hoffnung über den Tod hinaus. Darum beten wir für die Toten.

Zum Ernst unseres Gebets gehört das Wissen darum, dass es auch die Möglichkeit gibt, dass ich im Leben mein Ziel verfehle. Im Bewusstsein um den Ernst des Gerichts dürfen wir uns daran halten, was im „Dies irae“ so wunderbar zum Ausdruck kommt:

An eine Hoffnung über alle Katastrophen des Lebens hinaus, über alles Scheitern, über alle Schwäche und alles Versagen hinaus: „Der du Maria, die Sünderin, Maria Magdalena, von ihrer Sünde losgesprochen hast, der du den rechten Schächer erhört hast, auch mir hast du Hoffnung gegeben“.

Hoffnung sagt, dass Leben nicht verloren geht.

Hoffnung, dass nach dem Tod das Unfertige nicht in den Abgrund stürzt, sondern von Gott geborgen und gerettet wird, heimgeholt in seiner Barmherzigkeit.

„Erinnere dich, gütiger Jesus, dass ich der Grund dafür war, dass du diesen Weg der Menschwerdung, des Leidens, des Sterbens und der Auferstehung auf dich genommen hast.

Lass mich nicht verloren gehen.“

Dieser christliche Glaube, der das Gericht so ernst nimmt, ist nicht ein Angstmachen, sondern ein Ernstnehmen – ein Ernstnehmen, dass wir ohne die Hoffnung wirklich verloren wären, dass wir ohne den Retter rettungslos sind. Darum ist dieses „Dies irae“, das so ernst beginnt – „Tag des Zornes“ – ein so tröstliches, ein so wunderbares Gebet, eine solche Ermutigung, zu hoffen, auch für die, die gestorben sind. In dieser Hoffnung sind wir hier zusammen, um zu beten für unsere Verstorbenen, mit jenen Worten, mit denen der Hymnus endet:

Pie Iesu Domine, dona eis requiem.
Milder Jesus, Herrscher Du,
Schenk den Toten ew’ge Ruh. Amen.

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