AUSfahrtstag vs. AUFfahrtstag

Hanns Guck-in-die-Luft

Hanns Guck-in-die-Luft

Wenn der Hanns zur Schule ging,
stets sein Blick am Himmel hing.
Nach den Dächern, Wolken, Schwalben
schaut er aufwärts allenthalben:
Vor die eignen Füße dicht,
Ja, da sah der Bursche nicht!
(aus: „Der Struwwelpeter„)

Nachdem Christus vor den Augen der Jünger emporgehoben wurde, schauten sie ihm zum Himmel nach! Das berichtet uns am Christi-Himmelfahrts-Tag die Apostelgeschichte.
Aber dieser Blick zum Himmel wird korrigiert durch eine himmlische Stimme. Sie ist es, die den Blick der Jünger mit göttlicher Autorität auf die Erde richtet, eben „vor die eignen Füße dicht“, auf den Menschen. Österlicher Glaube zeigt sich dort, wo wir den anderen Menschen sehen. Was sich in den täglichen Sorgen und Nöten ereignet an Zuwendung, an Frage und Aufmerksamkeit, das wird für uns zu einem Zeichen des geöffneten Himmels an diesem Festtag!

An diesem Donnerstag freuen sich die Schulkinder über einen freien Tag und Väter – oder solche, die es vielleicht einmal werden – ziehen von einem Dorfwirtshaus ins Nächste.

Sind solche Feiertage wie Christi Himmelfahrt (und Fronleichnam) unter diesen Gesichtspunkten heute noch sinnvoll? Die Frage müssen wir uns ehrlich stellen. Nur als wirtschaftlich kostspieliger Billigurlaub werden sie sich auf die Dauer nicht halten lassen. Wenn sie ihren religiösen Sinn verlieren, werden sie sinnlos, und Sinnloses gibt man früher oder später auf. Christi Himmelfahrt ist aber nicht sinnlos, sondern hat einen ganz genauen Sinn:
40 Tage nach Ostern ist Jesus „von uns gegangen“. Daran erinnert dieser Tag. Aber wohin ist er gegangen? Nicht in die Grube eines Grabes, auch nicht in eine unbestimmte Ferne eines allgemeinen Jenseits. Auch bleibt er nicht, wie heute gerne von Verstorbenen gesagt wird, nur in unserer Erinnerung lebendig. Die Erinnerung verblasst schnell.

Der Evangelist Lukas weist auf etwas Überraschendes hin: Als Jesus nahe bei Jerusalem die Jünger „verließ und zum Himmel (!) emporgehoben wurde“, „kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück“. Vom Friedhof kehrt man meist mit ernster Miene, oft mit tränenroten Augen heim. Woher also hier diese Freude?
Der Grund ihrer Freude besteht bis heute. Er gibt dem heutigen Fest seinen Sinn. Sie freuen sich, dass ihr geliebter Meister lebt. Und dass er zwar nicht mehr sichtbar bei ihnen ist, aber doch wirklich bei ihnen bleibt. Diese Freude haben so viele seither erfahren: Jesus ist bei uns! Nicht immer spürbar, aber im Glauben fassbar. Nicht zum Angreifen, nicht zum Begreifen, aber in ganz großer Nähe. Das ist jedem Glaubenden gewiss und Grund zur Freude.

Christi Himmelfahrt heißt: Die Fahrt endet nicht am Friedhof – oder im Graben wie beim Hanns Guck-in-die-Luft. Der Weg hinüber führt ins Leben!

Papst Franziskus bei der Ausfahrt

Papst Franziskus bei der Ausfahrt

Das ist der Grund, an diesem Tag frei zu haben. Und zu danken für dieses Lebensziel. Von mir aus kann das auch Grund genug für einen ausgedehnten Vatertags-Ausflug sein – aber bitte nach dem die „Väter“ – wie einst die Jünger – im Tempel waren und Gott priesen!

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