Wenn Gott kommt …

Golanhöhen

Golanhöhen

Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen
nahmen ihn nicht auf.
(Joh 1,11)

Als ich im Herbst durch das Heilige Land pilgerte, stand ich auf den israelisch annektierten Golanhöhen neben einem Fernsehteam, das seine Kameras Richtung Damaskus gerichtet hatte, um live berichten zu können, falls dort der angedrohte Militärschlag der USA gegen den syrischen Präsidenten Assad beginnt. Noch am selben Abend wurde durch eine E-Mail des Auswärtigen Amtes vor Reisen in dieses Grenzgebiet gewarnt.

Fernsehen, Internet, Facebook und Twitter machen es uns heute leicht, „Up to date“ zu sein. Rund um die Uhr werden wir auf dem Laufenden gehalten. Wir nehmen ständig Informationen auf.

Und wie ist das, wenn Gott kommt?

Wenn Gott kommt, wird er nicht beachtet. So steht es jedenfalls im heutigen Evangelium: „Er war in der Welt, … aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“

Ist das unwichtig für uns, wenn Gott kommt? Sicher, er kam nicht mit Macht und Lärm in unsere Welt, keine Statusmeldung in Facebook hat seine Ankunft verbreitet. Aber ist das Voraussetzung dafür, dass wir dem Ereignis Bedeutung beimessen? Wie stellen wir uns Gott eigentlich vor? Als den Allwissenden, der mit einem großen Auge über uns wacht – wie die NSA – und jeden Fehler notiert; einer, mit dem wir lieber nichts zu tun haben wollen? Als den Schöpfer, der uns in diese Welt gesetzt hat und sich dann erst einmal zurückzog? Mit solchen Gottesbildern hat weder die Botschaft der Heiligen Nacht noch vom heutigen Weihnachtsfest etwas gemein. Solchen Erwartungen wird Weihnachten nicht gerecht.

Gott kommt in diese Welt als Mensch, als Kind. Das Wort wird Fleisch. Die Verheißung, dass Gott ein Gott für uns Menschen ist, bleibt kein leeres Wort, sondern wird konkret. Die Aussage, dass Gott die Liebe ist, wird greifbar in Jesus, Gottes menschgewordenem Wort.

Worte sind nur Schall und Rauch, heißt es. Und das Wort allein genügt noch nicht einmal beim Kuhhandel, da braucht es noch den Handschlag. Ein Mensch sagt einem anderen: „Ich mag dich“ und schenkt ihm als Zeichen dafür eine Umarmung oder einen Kuss. Bei allen Sakramenten, die wir feiern, kommt zum Wort auch eine Handlung: Das Übergießen mit Wasser, das Salben mit Ölen usw. Gott gibt uns Menschen nicht nur seine Zusage, sein Wort, sondern er schenkt uns auch ein Zeichen dieser Liebe: seinen Sohn.

Andere Religionen und Weltanschauen tun sich schwer damit, dass Gott Mensch wird. Gott ist etwas so Großes, der kann nicht Mensch sein wie wir, der kann auch keinen Sohn haben. Aber genau deswegen, weil Gott so menschlich geworden ist, ist es für uns nicht das große Ereignis. Menschen begegnen uns jeden Tag. Ich muss mich mit der Menschwerdung nicht unbedingt auseinandersetzen. Ich muss sie nicht beachten und nicht daran glauben. Ich kann vielleicht auch nur einmal im Jahr an Weihnachten in die Kirchen gehen, so wie andere ein Konzert besuchen; ich kann sage, die Botschaft des Weihnachtsfeste hat mit mir und meinem Leben nichts zu tun. – Ich kann Menschwerdung aber auch als Geschenk und Angebot Gottes für mich verstehen: „Ich bin für dich da.“

Ich kann erkennen, die Verheißung, die uns gegeben ist, sind keine leeren Worte, sondern Gott steht an meiner Seite. Er ist da und begegnet mir im Menschen: in der Hand, die mir einer zur Versöhnung entgegenstreckt; im anderen, der mir hilft, im Menschen, der mich liebt, so wie ich bin.

In kleinen Zeichen kommt Gott zu uns Menschen, nicht in den großen, spektakulären Ereignissen. Vielleicht können wir dieses Weihnachtsfest nutzen, um sensibel zu werden für die Nähe Gottes in unserem Leben. Er ist bei uns, es gilt, ihn wahrzunehmen, zu beachten und einzulassen in unser Leben. Nutzen wir dieses Fest doch zu einem Neuanfang mit Gott und den Menschen!

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